Wie gut ist Glückstadt vorbereitet, wenn tatsächlich der Katastrophenfall eintritt? Rund 110 Bürgerinnen und Bürger gingen dieser Frage bei einem Informations- und Diskussionsabend im Poppenhuus gemeinsam mit Fachleuten und politischen Verantwortlichen aus Bund, Land und Kreis nach.

Wie gut ist Glückstadt vorbereitet, wenn eine schwere Sturmflut droht, die Stromversorgung großflächig ausfällt oder eine andere außergewöhnliche Krisenlage eintritt? Und wer muss dann eigentlich was leisten?

Diesen Fragen wollten Ebba Okkens-Theuerkauf und Lars Kasten sowie Markus Weinheimer nicht nur theoretisch nachgehen, sondern die Verantwortlichen und Fachleute der unterschiedlichen Ebenen mit den Bürgerinnen und Bürgern direkt ins Gespräch bringen. Dazu organisierten sie am 27. Mai 2026 im Poppenhuus den Informationsabend „Glückstadt – Gut vorbereitet auf den Katastrophenfall?“ Rund 110 Gäste folgten der Einladung.

Wie unmittelbar das Thema mit Glückstadt verbunden ist, wurde bereits zu Beginn deutlich. CDU-Ortsvorsitzender Markus Weinheimer erinnerte in seinem Grußwort an die Sturmflut von 1962 und an die Frage, welche Folgen ein Deichbruch für Glückstadt gehabt hätte. Zugleich verwies er auf die Unterstützung, die bei früheren Hochwasserlagen auch von der damals in Glückstadt stationierten Bundeswehr geleistet wurde.

Anschließend übernahm Lars Kasten die Moderation. Dabei zog sich eine Frage wie ein roter Faden durch den Abend: Wer sorgt eigentlich dafür, dass im Ernstfall aus vielen einzelnen Möglichkeiten ein funktionierendes Gesamtsystem wird?

  1. Vorsorge beginnt lange vor der Katastrophe

Innenministerin Magdalena Finke erläuterte, wie sich Schleswig-Holstein auf veränderte Gefahrenlagen einstellt. Über viele Jahre waren die Anforderungen an den Zivil- und Katastrophenschutz unter anderen politischen und sicherheitspolitischen Voraussetzungen bewertet worden. Inzwischen haben Extremwetterereignisse, mögliche großflächige Ausfälle kritischer Infrastruktur und die veränderte Sicherheitslage dazu geführt, dass der Bevölkerungsschutz wieder erheblich stärker in den Mittelpunkt rückt.

Die Ministerin stellte dar, wie das Land seine Strukturen weiterentwickelt und welche organisatorischen und gesetzlichen Veränderungen vorgesehen sind. Dabei wurde deutlich: Gute Katastrophenvorsorge beginnt nicht erst dann, wenn Feuerwehr, THW oder andere Hilfskräfte ausrücken. Entscheidende Strukturen müssen lange vorher geplant, vorbereitet und eingeübt werden.

Wie diese Vorsorge auf der Ebene des Kreises konkret aussieht, erläuterte Stefan Schmidt, Abteilungsleiter für Zivil- und Katastrophenschutz beim Kreis Steinburg. Er berichtete über laufende Projekte und darüber, welche Aufgaben der Kreis im Katastrophenfall übernimmt.

Gleichzeitig richtete Schmidt den Blick auf die persönliche Vorsorge. Denn auch ein gut organisierter Katastrophenschutz kann nicht gewährleisten, dass im Fall eines großflächigen Stromausfalls oder einer anderen schweren Schadenslage überall sofort Hilfe zur Verfügung steht. Jeder Haushalt sollte deshalb in der Lage sein, eine gewisse Zeit selbst zu überbrücken. Dazu gab Schmidt praktische Hinweise und verwies auf weiterführende Informationsangebote.

  1. Vorhandene Kräfte besser miteinander verbinden

Im Verlauf des Abends wurde damit deutlich, dass sich die Frage aus dem Veranstaltungstitel nicht allein mit zusätzlichen staatlichen Einrichtungen beantworten lässt. Entscheidend ist ebenso, vorhandene Fähigkeiten und Ressourcen zu kennen und im Ernstfall schnell zusammenführen zu können.

Ein besonders anschauliches Beispiel dafür lieferte die Landwirtschaft.

Der Landtagsabgeordnete Heiner Rickers erläuterte, welche Möglichkeiten landwirtschaftliche Betriebe und Lohnunternehmen im Katastrophenfall bieten. Auf den Höfen und in den Betrieben stehen leistungsfähige Traktoren, Anhänger, Pumpen und weitere Maschinen zur Verfügung. Hinzu kommen Menschen, die den Umgang mit schwerem Gerät gewohnt sind und auch unter schwierigen Bedingungen arbeiten können.

Staatssekretär Otto Carstens stellte hierzu die Initiative „Red Farmer“ vor. Landwirtschaftliche Betriebe können ihre verfügbaren Maschinen und technischen Möglichkeiten erfassen lassen. Werden im Katastrophenfall zusätzliche Kräfte oder Geräte benötigt, können solche vorhandenen Ressourcen gezielter angefragt und eingesetzt werden.

Gerade dieses Beispiel machte deutlich, worauf es bei einer funktionierenden Katastrophenvorsorge ankommt: Nicht jede Fähigkeit muss neu geschaffen werden. Vieles ist bereits vorhanden. Es muss aber bekannt sein, organisiert und im entscheidenden Moment erreichbar sein.

  1. Das THW als Teil der bundesweiten Vorsorge

Einen weiteren Baustein dieses Systems stellte der Bundestagsabgeordnete Mark Helfrich vor. Auf Bundesebene spielt insbesondere das Technische Hilfswerk eine zentrale Rolle bei der technischen Hilfe in größeren Schadenslagen.

Das THW ist eine Einrichtung des Bundes, wird jedoch ganz wesentlich vom ehrenamtlichen Engagement seiner Helferinnen und Helfer getragen. Helfrich berichtete über die Weiterentwicklung des THW im Kreis Steinburg und über sein Engagement für eine Verbesserung des Standorts und der Unterbringung.

Auch hier zeigte sich ein Grundgedanke, der sich durch den gesamten Abend zog: Leistungsfähiger Bevölkerungsschutz benötigt nicht nur Technik und Gebäude, sondern vor allem Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und sich ehrenamtlich einzubringen.

  1. Eine Aufgabe für Staat und Bürger

So entstand aus den einzelnen Beiträgen nach und nach ein Gesamtbild. Land und Kreis müssen vorsorgen und koordinieren. Feuerwehren, THW und andere Hilfsorganisationen benötigen Personal und Ausstattung. Landwirtschaft und Unternehmen können Fähigkeiten und Technik bereitstellen. Und auch die Bevölkerung selbst muss darauf vorbereitet sein, in einer außergewöhnlichen Situation zunächst eigenständig handeln zu können.

Auf die Frage „Glückstadt – Gut vorbereitet auf den Katastrophenfall?“ gibt es deshalb keine einfache Antwort. Einen vollständigen Schutz kann es nicht geben. Entscheidend ist vielmehr, Risiken frühzeitig zu erkennen, Verantwortlichkeiten zu klären und dafür zu sorgen, dass die verschiedenen staatlichen, kommunalen, ehrenamtlichen und privaten Möglichkeiten im Ernstfall tatsächlich ineinandergreifen. Es wird die Aufgabe der CDU-Fraktion sein, dieses Thema auch in der Kommunalpolitik weiter voran zu treiben.

Zum Abschluss erhielten die Besucherinnen und Besucher Gelegenheit, ihre eigenen Fragen an die Referenten zu richten. Ebba Okkens-Theuerkauf leitete die Diskussionsrunde, nahm die Fragen aus dem Publikum auf und führte sie gezielt den jeweiligen Ansprechpartnern zu. Daraus entwickelte sich ein lebhafter Austausch zwischen Bürgern und Referenten.

Nach rund zweieinhalb Stunden endete der offizielle Teil des Abends. Bei Getränken und Burgunderbrötchen blieb anschließend noch Zeit für persönliche Gespräche.

Für Ebba Okkens-Theuerkauf und Lars Kasten sowie Markus Weinheimer war die große Resonanz eine Bestätigung ihres Veranstaltungskonzeptes. Ein- bis zweimal im Jahr wollen sie Themen aufgreifen, die für Glückstadt und seine Bürger von besonderer Bedeutung sind, kompetente Ansprechpartner zusammenbringen und einen direkten Austausch ermöglichen, wie es bereits seit 3 Jahren erfolgt.


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